Aktien Europa
26.11.2021 - 3 minute read

Konsum und Investitionen werden den Aufschwung stützen


Von Roland Rupprechter, Certified European Financial Analyst (CEFA)



Fundamentale Einschätzung


Die Eurozone erfuhr in den vergangenen Monaten einen kräftigen Aufschwung. Nach einem Anstieg um 2,2% im 2. Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung im 3. Quartal um 2,5% bis 3,0% zugelegt haben (Veränderung gegenüber dem Vorquartal). Das Vorkrisenniveau wäre damit wieder erreicht.


Im Winterhalbjahr ist zwar von erneut steigenden Neuinfektionszahlen auszugehen, welche die Konjunkturerholung bremsen werden, im Verlauf des nächsten Jahres wird die Pandemie jedoch weiter abebben, sodass einer nochmaligen wirtschaftlichen Belebung von dieser Seite nichts im Weg stehen sollte.


Insbesondere beim privaten Konsum gibt es noch nennenswertes Aufholpotenzial. Sobald die Pandemie abebbt ist von einer neuerlichen Belebung der privaten Konsumausgaben auszugehen. Schließlich liegt der private Verbrauch auf Basis unserer Prognosen auch im 1. Quartal 2022 noch etwa 1,5% unter dem Vorpandemieniveau. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass dieses im nächsten Jahr nicht nur erreicht, sondern klar übertroffen wird. Rückenwind ist darüber hinaus von der Fiskalpolitik zu erwarten. In Folge dessen sollte das BIP in diesem und im nächsten Jahr um jeweils etwa 5,0% wachsen. 2023 erwarten wir ebenfalls ein Plus oberhalb des Wachstumspotenzials von 1,5%. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten werden dann überausgelastet sein, es droht eine konjunkturelle Überhitzung mit weiter steigendem Preisdruck. Durch rechtzeitiges Handeln kann die EZB einer solchen Entwicklung aber entgegenwirken.


Neben dem Konsum sollten auch die Investitionen den Aufschwung stützen


Mit Blick auf die Investitionen werden neue »weiche« temporäre Einschränkungen unseres Erachtens keinen nennenswerten negativen Einfluss haben. Wir rechnen mithin mit einer Fortsetzung des Aufholprozesses. Angesichts einer anhaltend hohen Nachfrage aus dem In- und Ausland, die in Teilen der Industrie derzeit sogar zu Kapazitätsengpässen führt, dürften sowohl die Bau- als auch die Ausrüstungsinvestitionen in den kommenden Quartalen spürbar zunehmen.


Für weiter steigende Investitionen spricht darüber hinaus der von der Politik angestoßene Transformationsprozess hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft sowie der Trend hin zu einer Reorganisation von Produktionsabläufen mit weniger Verlagerung von Produktion ins ferne Ausland, diversifizierten Lieferketten und mehr Lagerhaltung.


Die Aussichten für einen länger anhaltenden Aufschwung sind also sehr günstig. Die Wirtschaft der Eurozone hat ihr Vorkrisenniveau dank einer äußerst dynamischen Erholung bereits im Sommer erreicht – fast ein Jahr früher, als das viele Prognostiker, darunter auch die EZB, noch Anfang dieses Jahres für möglich gehalten hatten. Damit ist das Ende der Fahnenstange in konjunktureller Hinsicht unseres Erachtens jedoch nicht erreicht: Die Voraussetzungen für einen lang anhaltenden, sich selbst tragenden Aufschwung sind mehr als günstig.


Fazit: Vor diesem Hintergrund bleiben europäische Aktien für uns weiterhin sehr attraktiv.


Abbildung 1: Eurostoxx 50

Figure 1 Wideframe
Quelle: Refinitiv Reuters, eigene technische Analyse


Markttechnik

Aus technischer Sicht hatte der EURO STOXX 50 seinen Bilderbuch-Aufwärtstrend (Start Anfang Okt.; 3.949 – 4.410) in den letzten Handelstagen mit einem Take-Profit-Signal verlassen und gleichzeitig die 10-Tage-Linie gecrosst. Als erste technische Konsequenz liegt bei 4.410 – im Bereich des alten technischen Etappenziels von 4.400 – 4.500 – eine neue Resistance-Zone vor. Als zweite technische Konsequenz hat der Markt einen neuen kurzfristigen Abwärtstrend (Gegenbewegung zum vorherigen Aufwärtstrend von 3.949 – 4.410) zum Abbau der kurz- und mittelfristig überkauften Lage etabliert. Die Abwärtstrendlinie liegt jetzt bei 4.275. Die Trading-Take-Proft und die Trading-Verkaufssignale signalisieren eine Fortsetzung dieses Trends und den Rutsch unter die Support-Zone um 4.220. Der Rückfall in die alte Konsolidierungsrange (unterhalb von 4.220) verdeutlicht, dass sich die neue Konsolidierung zeitlich und räumlich hinziehen wird. Positiv: Der RSI Index zeigt aktuell eine stark überverkaufte Marktsituation an.








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