Emerging Markets Bonds
29.05.2020 - 3 minute read

Da wir eine deutliche Konjunkturverbesserung im zweiten Halbjahr 2020 erwarten, stufen wir Schwellenländeranleihen von negativ auf neutral.


Von Roland Rupprechter, Certified European Financial Analyst (CEFA)



Fundamentale Einschätzung


Die Schwellenländer haben zuletzt nicht nur die direkten wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen des Coronavirus abbekommen, sondern auch den Nachfrageschock, der durch ihre Bemühungen entstand, alles abzuriegeln, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Negative Auswirkungen haben sich auch aus den geringeren Einnahmen im Reise- und Tourismussektor, dem eingeschränkten Handel und den geringeren Überweisungen ergeben. Überall da, wo man auf den Rohstoffexport angewiesen ist, werden diese Auswirkungen noch verschärft, da die Rohstoffpreise durch die weltweite Rezession nachgegeben haben.


Die Folgen sind beträchtlich. Die Corona-Krise droht sich zu einer Schuldenkrise auszuweiten. Besonders betroffen sind vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer, die in den vergangenen Jahren hohe Schuldenberge angehäuft haben. Um einen Zahlungsausfall zu verhindern, haben sich die G-20-Staaten darauf geeinigt, den ärmsten Ländern im laufenden Jahr einen Zahlungsaufschub einzuräumen. Dabei geht es um eine Summe von 20 Mrd. $. Der Internationale Währungsfonds (IMF) hatte bereits zuvor seine Unterstützung für 25 der ärmsten Staaten angekündigt.


Die Credit-Default-Swaps für Schwellenländer preisen derzeit eine Ausfallrate von 31,4% ein. Während der globalen Finanzkrise lagen die Ausfallraten in den Schwellenländern jedoch deutlich unter dieser Quote. Dies deutet darauf hin, dass die Bewertungen von Schwellenländeranleihen und ihren Währungen plötzlich attraktiv erscheinen könnten, wenn sich die globalen Finanzbedingungen verbessern. Dies wird vor allem in Ländern der Fall sein, die stärker betroffen sind, als es ihre Fundamentaldaten vermuten lassen. Dazu könnten Schwellenmärkte zählen, in denen die coronabedingten Auswirkungen bereits ihren Höhepunkt überschritten haben, wie beispielsweise China und Südkorea.


Es könnte noch einige Zeit dauern, bevor wir wissen, wie lange dieser Zustand noch andauern wird. Historisch gesehen folgten auf ein Jahr mit negativer Wertentwicklung des Index für EM-Staatsanleihen in Hartwährung allerdings hohe positive Renditen im kommenden Jahr. Obwohl die Vergangenheit kein Indikator für die Zukunft ist, lässt sich daraus ableiten, dass Anleger versuchen könnten, Gelder, die aus den Schwellenmärkten abgezogen wurden, wieder zu reinvestieren, sobald die Risikoaversion nachlässt. Da wir eine deutliche Konjunkturverbesserung im zweiten Halbjahr 2020 erwarten, stufen wir Schwellenländeranleihen von negativ auf neutral herauf.


Abbildung 1: JPMorgan Emerging Market Bond Index

Figure 1 Wideframe
Quelle: Thomson Reuters, Datastream




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