18. Dezember 2025 - Roland Rupprechter, CEFA
Börsenampel steht weiter auf Grün
Konjunktur: Positive Wachstumsbeiträge aus den USA und Deutschland erwartet
Wir erwarten, dass das Wirtschaftswachstum in den USA dank KI im Jahr 2026 anziehen wird und sehen ein Plus von 2,1 Prozent nach 1,9 Prozent im Jahr 2025.
In der Eurozone dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 mit 1,1 Prozent wachsen, wobei Deutschland die Phase der Stagnation hinter sich lassen wird und mit 1,2 Prozent wachsen dürfte. In diesem Jahr waren es nur 0,3 Prozent.
Inflation: Eurozone nahe am Zielwert, USA wohl nach wie vor mit deutlich höheren Preissteigerungen
Die Inflation dürfte in den USA auch im kommenden Jahr hoch bleiben beziehungsweise sogar leicht steigen. Wir rechnen mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent, gegenüber 2,8 Prozent in diesem Jahr.
In der Eurozone scheinen die Preissteigerungen weit besser unter Kontrolle. 2026 dürften sie auf den EZB-Zielwert von 2,0 Prozent sinken.
Notenbanken: USA – zwei weitere Zinssenkungen erwartet. Eine dritte Leitzinssenkung könnte mit Hassett kommen.
Die US-Notenbank Fed hat ein doppeltes Mandat: maximale Beschäftigung und Preisstabilität. Auch wenn die Preisstabilität wohl 2026 nicht erreicht werden wird, wird die Fed sehr wahrscheinlich aufgrund der schwächeren Arbeitsmarktdaten die Leitzinsen zwei Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf 3,0 bis 3,25 Prozent senken.
Im Mai kommenden Jahres endet die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell, der sich fortlaufendem massiven Druck der US-Regierung gegenüber sieht, welche die Zinsen gerne niedriger hätte. Wenn Donald Trumps offensichtlicher Wunschkandidat Kevin Hassett das Rennen um die Nachfolge macht, könnte eine dritte Leitzinssenkung im Sinne eines "Eintrittsgeschenks" die Folge sein.
Für die Eurozone erwarten wir, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen auf dem derzeitigen Niveau lassen wird.
An US-Aktien dürfte auch 2026 kein Weg vorbeiführen
Die Börsenampel bleibt für uns weiter auf Grün. Im Zentrum unserer positiven Einschätzung steht die erwartete Entwicklung der Unternehmensgewinne. Diese dürften in den USA in den kommenden zwei Jahren zweistellig wachsen, angetrieben von der technologischen Entwicklung, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Wir sehen keine KI-Blase, wir sehen einen fortgesetzten KI-Boom. Die Unterschiede zu der Situation im Jahr 2000, als die sogenannte Dotcom-Blase platzte, sind gravierend. Damals waren Internet- und Technologieunternehmen viel höher bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei 52 und damit doppelt so hoch wie heute. Dazu kommt, dass sich die Zusammensetzung der erwarteten Gesamtrenditen von Aktien Anfang der 2000er Jahre signifikant von der heutigen Situation unterschied.
Zum Höhepunkt der Blase im März 2000 ging der Markt von immer höheren Bewertungen aus. Heute ist die Situation eine andere. Die Renditeerwartungen speisen sich hauptsächlich aus den steigenden Gewinnerwartungen. Unterstützend wirken sollte zudem die Kombination aus einer sich lockernden Geldpolitik – vor allem in den USA – und den damit verbundenen günstigeren Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. Da wir davon ausgehen, dass sich die hohen Investitionen in KI für die Unternehmen rechnen werden, dürften die notwendigen Produktivitätsgewinne vermehrt realisiert werden. Vor diesem Hintergrund sind die USA für uns im kommenden Jahr der aussichtsreichste Markt.
Für Europa spricht die expansive Fiskalpolitik, speziell in Deutschland. Zudem sollten die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben 2026 einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass das Gewinnwachstum im deutschen Leitindex Dax im zweistelligen Bereich liegen dürfte. Wir haben zuletzt europäische Aktien übergewichtet.