5. Februar 2026 - Roland Rupprechter, CEFA

Auch Gold wächst nicht in den Himmel

Die Frage ist nicht, ob sich Gold in einer Blase befindet, sondern wann sie platzt.


Haupttreiber war zuletzt die rasant gestiegene Investmentnachfrage

Der Goldpreis hat sich in den letzten zwölf Monaten knapp verdoppelt, in den letzten vier Jahren verdreifacht, wofür es zuvor rund 20 Jahre bedurfte, und durchbrach zuletzt die 5.000 US-Dollar-Marke je Feinunze. Dies obwohl die Schmucknachfrage und die Käufe der Zentralbanken im letzten Jahr stark gefallen sind. Besonders ausgeprägt waren die Nachfragerückgänge in Indien (-24%) und China (-25%). Die Schmucknachfrage in China fiel auf das niedrigste Niveau seit mehr als 15 Jahren. Die Zentralbanken kauften im vergangenen Jahr 863 Tonnen Gold. Das waren rund 20% weniger als im Vorjahr.

Haupttreiber für den Goldpreisanstieg war die Investmentnachfrage, die im vierten Quartal 2025 im Jahresvergleich um mehr als 70% stieg. Im Gesamtjahr gab es sogar einen Anstieg um mehr als 80% auf ein Rekordniveau von 2.175 Tonnen, wie das World Gold Council veröffentlichte. Gründe für diese rekordhohe Investmentnachfrage waren ein schwächerer US-Dollar, die Erwartung weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, die Sorge um eine sich wandelnde Weltordnung und vor allem die Spekulation auf höhere Goldpreise.

Kurzfristig wurde die Goldpreisentwicklung zuletzt durch eine Schwäche des US-Dollars begünstigt. Die USA haben mit einer massiven Staatsverschuldung zu kämpfen, die derzeit bei rund 35,6 Billionen Dollar liegt. Die Zinsen auf diese Schulden belaufen sich auf 1,1 Billionen Dollar pro Jahr, was das Militärbudget der USA von 980 Milliarden als größten Ausgabenposten überholt hat. Neben dem hohen Haushaltsdefizit und der steigenden Schuldenlast nagt auch eine zunehmend nach innen gerichtete US-Politik schrittweise an der „Vertrauensprämie“ des Dollars.

Hinter dem starken Goldpreisanstieg steckt die Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve. Da Gold selbst keine Zinsen abwirft, wird es bei sinkenden Zinsen für die Investoren wieder attraktiver.

Venezuela, Grönland, die Spannungen mit China und Russland und der Krisenherd Iran – Donald Trump versucht, die Welt neu zu ordnen. Er genehmigte eine Militäraktion und lässt den Machthaber Venezuelas völkerwidrig festnehmen. Danach hat sich sein Fokus auf andere Länder gerichtet: auf Kuba, auf Mexiko und auf Grönland. Dazu kommt der Krisenherd Iran: Zigtausende Menschen demonstrieren für die Freiheit und ein Ende des Mullah-Regimes – US-Präsident Trump erwägt, militärisch einzugreifen. Sorgt US-Präsident Trump damit für mehr Frieden oder für mehr Chaos? Und welche Folgen hat das für Europa: Kann es sich weiterhin auf die NATO und das Bündnis mit den USA verlassen? Von diesen Unsicherheiten, wie es mit der internationalen Ordnung weitergeht, profitierte das Gold.

Die Spekulation der Investoren auf einen höheren Goldpreis zeigt sich in einer extremen Positionierung der Derivatemärkte, an denen gehebelte Verträge gehandelt werden: Es gab extreme Wetten, dass das Gold bis zum Jahresende 10.000, 15.000 oder sogar 20.000 US-Dollar erreichen könnte. Gleichzeitig stiegen Put Absicherungs-Positionen rund um 4.000 US-Dollar stark an. Dieses Ungleichgewicht ist ein Zeichen einer gefährlich überfüllten Positionierung. Die CFTC-Daten bestätigten dies: Die Netto-Long-Positionen in Gold hatten mit rund 78 Milliarden US-Dollar ein Rekordniveau erreicht. Die CFTC – die Commodity Futures Trading Commission, die US-Behörde für Terminmarktaufsicht – zeigte damit die deutlichste Überpositionierung seit Beginn der Aufzeichnungen.

Es überrascht daher nicht, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einer zunehmenden Übertreibung an den Goldmärkten warnt. Der Goldpreis zeige inzwischen blasenartige Eigenschaften, heißt es im aktuellen Jahresbericht der BIZ. Die Analyse deutet darauf hin, dass sich der Goldmarkt möglicherweise in einer "andauernden Blase" befindet. Solche Phasen würden typischerweise von Perioden mit negativen oder zumindest gedämpften Renditen abgelöst, so die BIZ. Mit dieser Einschätzung ist die Notenbankinstitution nicht allein. In den vergangenen Monaten hatten auch verschiedene Zentralbanken, darunter die Monetary Authority of Singapore sowie die Bank of England, vor zunehmenden Risiken an den Edelmetallmärkten gewarnt.

Für uns ein untrügliches Anzeichen einer Blase sind der zuletzt exponentielle Preisanstieg des Goldes sowie ein MACD (Moving Average Convergence/Divergence Indikator), der eine im Gold noch nie gesehene Überkauftheit anzeigt, was nachstehende Grafik illustriert (roter Kreis).



Goldpreis

Quelle Grafik: Refinitiv Reuters, R&B


Ein weiteres Kriterium für eine Blase könnte die stark gestiegene Kurssensivität sein. Allein die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, das frühere Fed-Mitglied Kevin Warsh als Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell zu nominieren, ließ den Goldpreis am 29. Januar dieses Jahres um 9 Prozent fallen. Das war der stärkste Rückgang innerhalb eines Tages in diesem Jahrzehnt. Drei Tage später sank der Preis im Handelsverlauf um weitere acht Prozent. Zeitweise kostete Gold 4406,45 US-Dollar je Feinunze. Kevin Warsh gilt als hartnäckiger Inflationsbekämpfer, eine Eigenschaft, die dem Gold nicht beliebt.

Sollten die Konjunkturdaten überraschend stark bleiben, die Fed länger restriktiv auftreten und die realen Zinsen wieder anziehen, könnte Gold unter Druck geraten. Ein starker Dollar und nachlassende Inflationssorgen würden dann den Safe-Haven-Case schwächen. Spekulative Goldkäufer, die spät eingestiegen sind, könnten bei ersten Abwärtswellen in Panik verkaufen, was einen harten Abverkauf auslösen würde. In so einem Umfeld würden nur geduldige, langfristig orientierte Investoren und Zentralbanken die Gunst für günstige Nachkäufe ausnutzen.




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