3. März 2026 - Roland Rupprechter, CEFA

Der Ausbruch des Iran Kriegs setzte die Märkte unter Druck, löste aber keine Panik aus

Unsere Empfehlungen für Anleger


Es steht und fällt mit der Strasse von Hormus

Nicht nur die Ungewissheit über die Dauer des Krieges und seine Folgen für die Region lastet auf den Kursen. Diesmal gehen die Sorgen noch tiefer. Denn anders als etwa beim Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Juni hat das Mullah-Regime, das mit dem Rücken zur Wand steht, effektiv die Strasse von Hormus gesperrt. Sollte die wichtigste Handelsroute für Öl auf längere Zeit geschlossen bleiben, würde das die Weltwirtschaft empfindlich treffen. Zum einen würde die Umleitung der Schiffe um die Südspitze Afrikas zu höheren Frachtraten führen. Diese könnten dann wiederum – mit zeitlicher Verzögerung – Waren und Dienstleistungen in Europa verteuern und zu erneutem Inflationsdruck führen. Auch Lieferketten in Europa könnten gestört werden, da sich Warenlieferungen aus Asien ebenfalls verzögern. Zum anderen würde eine länger anhaltende Verteuerung der Energiepreise zu einem neuen inflationären Schub führen und damit die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen trüben. Ein anhaltender Anstieg des Ölpreises um 15 US-Dollar pro Barrel könnte das Niveau der Verbraucherpreise in der Eurozone um fast 0,5 Prozent erhöhen und den Anstieg der verfügbaren Einkommen entsprechend einschränken. Dabei träfen die Beeinträchtigungen auf dem internationalen Energiemarkt die EU besonders hart.



Strasse von Hormus

Quelle Grafik: Vorarlberger Nachrichten


An den Finanzmärkten setzte die "Flucht in Qualität" (Flight to Quality) oder "sichere Häfen" (Safe Havens) ein

Bei den Währungen war gestern besonders der US-Dollar stark gesucht und legte um mehr als 1 Prozent auf 1,168 EUR/USD zu. Damit bestätigte er seinen Status als Weltleitwährung. Der US-Dollar legt oft zu, wenn Anleger aus Edelmetallen flüchten oder weltweit Unsicherheit herrscht. Die US-Wirtschaft wird oft als Stütze und "sicherer Hafen" wahrgenommen.

Stark nachgefragt war auch der Schweizer Franken. Besonders an den Terminmärkten am Wochenende, wo er kurzfristig mit 0,905 zum Euro gehandelt wurde. Der Schweizer Franken gilt traditionell als der sicherste Währungshafen in Krisenzeiten, besonders bei globalen Konflikten. Er gewinnt in Zeiten großer Unsicherheit häufig an Wert.

Im Bereich der Aktien kam es zu Umschichtungen von zyklischen Aktien in krisenresistent geltende defensive Aktien. Gesucht waren vor allem Aktien der Sek-toren Versorger (RWE, FMC, Redei, Enel Spa), Gesundheitswesen (Abbott Laboratories, Johnson & Johnson), Basiskonsumgüter (Nestle, Unilever, PepsiCo) sowie Qualitätsaktien (Anmerkung des Autors: In welche der R&B Aktien Global Aktiv Fonds überwiegend investiert). Hier waren vor allem Technologieführer wie Nvidia und Microsoft stark nachgefragt. Sie gelten als kapitalstarke und widerstandsfähige Unternehmen. Beide Tech-Giganten legten gestern um rund zwei Prozent zu.

Auch Gold profitierte, da es als zuverlässiger Schutz gegen geopolitische Spannungen gesehen wird. Zeitweise sprang die Notierung wieder über 5.400 US-Dollar pro Feinunze und näherte sich wieder seinem Rekordhoch von Ende Januar. Damals hatte das Edelmetall fast 5.600 US-Dollar pro Feinunze gekostet. Nach den ersten Erfolgen der Kriegsführer im Iran fiel die Notierung aber wieder zurück.

Im Anleihenbereich wurden US-Staatsanleihen (Treasuries) stark gesucht. Sie werden als Liquiditätsreserve in Krisenzeiten genutzt.

Verlierer waren die Luftfahrt- und Reiseaktien. Aktien der Luftfahrt- und Reisebranche gerieten angesichts gesperrter Routen und der allgemeinen Unsicherheit besonders stark unter Druck. Die Flughäfen der Golfregion dienen als Drehkreuze für den asiatischen Flugverkehr, die Auswirkungen treffen Verbindungen und Fluggesellschaften weltweit. Die Aktien von TUI und Lufthansa büßten zeitweise über zehn Prozent ein.

Die erste Reaktion der Aktienmärkte fiel unterschiedlich aus

Am gelassensten reagierten die US-Börsen. Dabei half der aktuelle ISM-Einkaufsmanagerindex, der auf eine bessere Stimmung in der US-Industrie hindeutet als erwartet. An der New Yorker Börse drehen gestern Nacht die Indizes sogar ins Plus: Der US-Leitindex S&P 500 erholte sich von den Kursverlusten zu Handelsbeginn, da erste Anleger offenbar die Kursrückgänge bereits wieder als Einstiegschance sehen. Zudem schafften die Terminmärkte eine Gelegenheit, den S&P 500 zu kaufen, als er sich seinem Tiefpunkt von 2026 näherte.

Deutliche Verluste gab es hingegen in Europa und Japan. Beide Aktienmärkte reagieren traditionell sehr sensibel auf kriegerische Konflikte. Dies liegt an der hohen Abhängigkeit von Energieimporten und der engen Verflechtung der Lieferketten. Sowohl der Eurostoxx 50 als auch der Nikkei Index gaben um etwas über 2 Prozent nach.

Empfehlung für Aktieninvestoren

Die kurzfristige Börsenentwicklung hängt ganz klar von der Dauer der Sperre der Straße von Hormus ab. Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch diese Meerenge transportiert. Im vergangenen Jahr passierten durchschnittlich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensat und Kraftstoffe die Meerenge. Positiv: Die führenden OPEC-Produzenten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte in den letzten Tagen deutlich erhöht, was dem Ölpreisanstieg entgegenwirkt.

Langfristig gesehen bleiben wir positiv für die Aktienmärkte. Günstige Finanzierungsbedingungen, eine insgesamt neutrale bis lockere Geldpolitik, insbesondere in den USA, sowie stabile Rahmenbedingungen in Europa, welche durch staatliche Investitionsprogramme – besonders in Deutschland – unterstützt werden, begünstigen globale Aktien.

Wir empfehlen daher langfristig orientierten Aktienanlegern an ihren Investments festzuhalten. Schwache Börsentage im Rahmen des Iran-Konflikts können gut für Aufstockungen genutzt werden. Hierfür favorisieren wir global aufgestellte Aktienfonds (wie unseren R&B Aktien Global Aktiv Fonds), welche durch die ihre breite regionale Streuung einen guten Schutz vor Krisen bieten.

Kurzfristig agierenden, sehr erfahrenen Aktieninvestoren empfehlen wir auf die Branchen Energie und Rohstoffe (Unternehmen wie ExxonMobil, Chevron oder Shell profitieren direkt von den höheren Margen durch den Preissprung bei Rohöl), Versorger (Aktien von Unternehmen wie RWE oder E.ON profitieren meist von steigenden Energiepreisen), Rüstungskonzerne (Aktien von Rheinmetall, Hensoldt, Lockheed Martin, BAE Systems oder Elbit Systems verzeichnen oft deutliche Gewinne, da mit einer weiteren Aufstockung der Verteidigungsbudgets und dem Verbrauch von Munition und Abwehrsystemen gerechnet wird) sowie Börsenbetreiber und Broker (solche kriegerischen Ereignisse führen meist zu extrem hohen Handelsvolumina. Unabhängig davon, ob Kurse steigen oder fallen – Firmen wie die Deutsche Börse, die CME Group oder Online-Broker verdienen an jeder Transaktion und der erhöhten Volatilität) zu setzen.

Diese kurzfristigen Investitionen in "Branchen der Kriegsgewinner" sind aber sehr spekulativ und hängen stark von der Dauer und Intensität des Iran-Konflikts ab. Sobald Anzeichen einer Deeskalation auftreten, werden diese Gewinne oft genauso schnell wieder abverkauft.




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