14. März 2023 - Pressemitteilung R&B
Ursache und Folgen des SVB-Kollapses
„Der Untergang der Silicon Valley Bank (SVB) wurde nicht durch Kreditprobleme verursacht, sondern durch ein altmodisches Missverhältnis zwischen Aktiva und Passiva, welches vielen Sparkassen in den 1970er Jahren zum Verhängnis geworden war.“, so Roland Rupprechter, MBA (WU Wien), Geschäftsführer der R&B Vermögensmanagement Gesellschaft in Dornbirn, in der heutigen Pressemitteilung.
Die kalifornischen Aufsichtsbehörden beschlagnahmten die SVB am 10. März 2023 nach einem Ansturm auf die Einlagen. Es war die größte Bankenpleite seit Washington Mutual im Jahr 2008.
Die SVB, die sich an Technologie-Start-ups und Risikokapitalgeber richtete, verzeichnete von 2020 bis Anfang 2022 einen enormen Einlagenzufluss. Die Einlagen beliefen sich am 31. März 2022 auf 198 Milliarden Dollar, gegenüber 74 Milliarden Dollar im Juni 2020.
Um aus diesem enormen Einlagenzufluss einen Ertrag zu genieren, beschloss die SVB, den Großteil der Gelder in hypothekarisch gesicherte Staatsanleihen anzulegen. Diese weisen ein minimales Kreditrisiko auf, haben aber - wie alle Anleihen - je nach Laufzeit ein geringes bis erhebliches Zinsänderungsrisiko.
Der große Fehler der SVB war es nun, die neu zugeflossenen Gelder im Sinne einer Nutzenmaximierung überwiegend in langlaufende hypothekarisch gesicherte Wertpapiere mit Laufzeiten von mehr als 10 Jahren zu investieren. Anleihen mit kurzen und mittleren Laufzeiten wurden hingegen kaum aufgenommen.
Damit blieb einerseits die Markowitz Portfolio Theorie „Don’t put all your eggs in one Basket“ unberücksichtigt und anderseits wurde die goldene Bankregel, welche besagt, dass Banken ihre Finanzierungsmittel nur so verwenden sollen, dass die Fristen mit den Laufzeiten der eingesetzten Gelder übereinstimmen, gebrochen. Die Folge war eine massive Inkongruenz von Aktiva und Passiva.
Der starke Anstieg der Zinssätze und der Einbruch des Anleihemarktes im Jahr 2022 (die Kurse der Anleihen entwickeln sich reziprok zu den Renditen) haben das Anleiheportfolio der SVB stark belastet. Ende 2022 hielt die SVB Wertschriften im Wert von USD 117 Mrd., welche über 50 % ihrer Aktiva in Höhe von USD 211 Mrd. ausmachten.
Der (Buch-)Verlust von USD 15 Mrd. stand einem Eigenkapital von USD 16 Mrd. gegenüber.
Die Bank wurde zudem in Mitleidenschaft gezogen - wie die Sparkassen in den 1970er Jahren -, da sich die effektive Laufzeit ihres Hypothekenportfolios bei steigenden Zinsen verlängerte. Die Duration des Portfolios, ein Maß für das Risiko, stieg von etwa vier Jahren im Jahr 2022 auf sechs Jahre.
Das Problem wurde dadurch verschärft, dass die SVB auf institutionelle Einlagen angewiesen war, wobei der Großteil ihrer Einlagenbasis aus Konten mit einem Volumen von mehr als USD 250.000 bestand. Dies machte sie sehr anfällig für einen Ansturm auf die Einlagen.
Als die Bank Anfang März überraschenderweise Kapitalbedarf anmeldete, gerieten Kunden in Panik und ein Bank Run setzte ein. Innerhalb von Stunden flossen am 9. März über USD 40 Mrd. Dollar ab. Dies zwang die US-Einlagensicherung FDIC noch am 10. März die SVB zu schließen.
Auswirkungen sind überschaubar
Aufgrund ihrer Spezialisierung auf Start-up-Finanzierung geht von der Pleite nicht das gleiche Risiko aus, wie von der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Lehman war wesentlich stärker international und über verschiedene Sektoren hinweg vernetzt gewesen und hatte auch mit allen europäischen Banken Kreditlinien und Geschäftsbeziehungen gehabt. Die SVB war hingegen "lokal operativ", die einzige internationale Verflechtung gab es mit der britischen Tochter der SVB, die bereits von der britischen Großbank HSBC übernommen worden ist.
Von dem SVB-Kollaps betroffen sind vor allem Start-ups im Silicon Valley. Dort ist die Bank sehr bedeutend, da viele Start-ups ihre Bankkonten und Girokonten bei der SVB haben. Für diese Kunden gibt es mittlerweile gute Nachrichten, seit dem 13. März besteht wieder Zugriff auf deren Einlagen und Ersparnisse.
Wie geht es mit der SBV weiter?
Der Bankenregulierer FDIC, der am 10. März die Kontrolle über die SVB übernommen hatte, musste die erste geplante Versteigerung der Unternehmensteile wieder absagen, weil es nicht genügend Interessenten gab. Es soll jedoch einen zweiten Anlauf geben, wie die FDIC mitteilte. Bei diesem könnten möglichen Kaufinteressenten Angebote gemacht werden, um eine Übernahme zu versüßen. So sei ein Verlustübernamevertrag denkbar.
Darüber hinaus arbeiten mehrere Risikokapitalfirmen zurzeit an einem „langfristigen Plan“, um Teile der SVB zu erhalten, damit sie ihre Kunden im Technologiesektor weiterhin betreuen können. Eine Gruppe von mehreren Firmen führt seit der zweiten Märzwoche Gespräche, wie die SVB weiterhin Kredite an Unternehmen und Führungskräfte des Sektors vergeben könne, berichtet die „Financial Times“. Einer der diskutierten Vorschläge sei die Bildung eines Konsortiums mit Apollo, das für Teile der SVB bieten könnte. Auch andere Investoren interessieren sich offenbar für Teile der Bank.