10. März 2024 - R&B Roland Rupprechter, CEFA
Bitcoin und Gold klettern auf Rekordhochs
Erschienen in den Vorarlberger Nachrichten, 10.3.2024 - R&B im Interview mit Wirtschaftsredakteurin Hanna Reiner
Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den jüngsten Anstieg des Goldpreises auf ein Rekordhoch?
Der jüngste Anstieg des Goldpreises dürfte eng mit den Zinserwartungen der Anleger zusammenhängen. Am 29. Februar wurden in den USA die neusten Inflationsraten (PCE Price Index) veröffentlicht, die mit einer Rate von 2,4 Prozent im erwarteten Rahmen ausfielen und nahe dem Zielwert der Währungshüter lagen. Dementsprechend schürte dies bei vielen Anlegern neue Hoffnung, dass die Fed schon beim nächsten Zinsentscheid Ende März die Leitzinsten senken könnte. Diese Aussichten ließen nicht nur die Aktienmärkte jubeln – auch der Goldpreis zog auf ein Rekordniveau. Denn das per se zinslose Gold würde von einem Rückgang der Leitzinsen profitieren und für Anleger gegenüber anderen Assets wieder attraktiver werden.
Als weitere Treiber gelten die aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie Sorgen um die chinesische Wirtschaftsentwicklung. In seiner Rede zur Lage der Nation drohte Putin wieder unverhohlen dem Westen, auch die Verwendung von Atomwaffen führte er an, sollten westliche Soldaten – wie zuletzt vom französischen Präsidenten Macron ins Spiel gebracht – in der Ukraine zum Einsatz kommen. Beim Gaza-Krieg scheint ein Ende trotz aktueller Waffenruhe in weiter Ferne. Dazu kommt, dass die Huthi-Rebellen im Roten Meer durch Angriffe auf Frachter und Handelsschiffe die sensiblen Lieferketten stören. Mit Sorgen blicken Analysten auch nach China, wo aktuell der Nationale Volkskongress tagt, wobei der Fokus klar auf Staats- und Parteichef Xi Jinping liegt. Nachdem die chinesische Wirtschaft sich unter Erwartung entwickelt, könnten Drohungen gegenüber Taiwan wieder zunehmen und einen neuen Konfliktherd befeuern. Gold gilt als Krisenwährung: Geopolitische Unsicherheiten treiben Anleger oft in den „sicheren Hafen“ Gold. Die steigende Nachfrage sorgt für einen höheren Preis.
Ein weiterer Grund für den hohen Goldpreis liegt in der hohen Nachfrage der Zentralbanken. Vor allem die BRICS-Staaten stoßen US-Staatsanleihen ab und tauschen große Teile ihrer Dollarreserven in Goldreserven um.
Was befeuert den Bitcoin-Kurs derzeit?
Beflügelt wird der Bitcoin-Kurs durch Mittelzuflüsse, die seit der Zulassung von Bitcoin-Fonds durch die US-Börsenaufsicht im Januar auch von institutionellen Investoren in Bitcoin investiert werden. Diese Fonds haben alle Erwartungen übertroffen und verzeichnen Tag für Tag Kapitalzuflüsse von hunderten Millionen Dollar. Beispielsweise hat der Fonds von BlackRock – so schnell wie noch kein anderer ETF (exchange-traded fund) je zuvor – die Zehn-Milliarden-Dollar-Marke geknackt.
Auch das für Mitte April erwartete Bitcoin-Halving, bei dem Belohnungen für Bitcoin-Miner für die Verifizierung von Krypto-Transaktionen halbiert werden, sorgte für Auftrieb.
Welche Risiken und Chancen sehen Sie beim Investieren in Gold im Vergleich zu Bitcoin?
Nicht wenige sehen Gold und Bitcoin als "Brüder im Geiste". In beiden Investorengruppen finden sich ähnliche Ansichten, wie etwa der Wunsch nach einem nicht inflationierbaren Geld oder die Unabhängigkeit von Zentralbanken.
In Bezug auf Sicherheit spricht für Gold, dass ein Totalverlust ausgeschlossen ist. Anders bei Bitcoin: Kein Strom, kein Internet, keine Kryptowährung. Und was von Menschen programmiert wurde, kann grundsätzlich von Menschen manipuliert werden. Außerdem ist die Kryptowährung noch zu jung, um einschätzen zu können, wohin die Entwicklung gehen wird.
Ein weiteres Plus für das Gold ist sein realer Gebrauchswert. Gold ist nicht nur ein Wertspeicher, sondern wird auch in der Industrie und der Schmuckbranche benötigt. Das sorgt für zusätzliche Begehrlichkeiten. Der Wert von Bitcoin ist dagegen rein nominaler Natur.
Während Gold auf eine lange Geschichte als Inflationsschutz zurückblicken kann, haben Bitcoin und andere Kryptowährungen noch nicht die nötige Langlebigkeit, um als solche Instrumente betrachtet zu werden. Sie haben jedoch das Potenzial, eine Alternative zu Fiatwährungen zu werden. In der Zwischenzeit wird Bitcoin meist als „risikoreiche Anlage mit Potenzial für hohe Renditen" oder als „rein spekulative Wette" angesehen.
Wie schätzen Sie die langfristigen Aussichten für den Goldpreis ein?
Wir bleiben positiv bezüglich der Entwicklung des Goldpreises. Die geopolitischen Krisenherde dürften leider bleiben. Die Notenbanken werden weiter Gold kaufen. Dahinter steckt vielfach das strategische Ziel, unabhängiger vom US-Dollar, als der Leitwährung im Welthandel, zu werden. Die Spekulationen um eine goldgedeckte Währung der BRICS-Staaten haben sich zwar nicht bestätigt, hinter dem Aufbau einer größeren Goldreserve dürfte aber eine De-Dollarisierungs-Strategie stecken. Zudem sind Länder mit hohen Goldreserven weniger anfällig für künftige US-Sanktionen. Für Rückenwind sorgen auch die Unsicherheiten rund um die US-Präsidentenwahl im November. Historisch gesehen hatten US-Präsidentschaftswahlen oft einen direkten Einfluss auf den Goldpreis, da ein Führungswechsel häufig auch einen Wechsel in der Finanzpolitik mit sich brachte. Gleichzeitig ließen sich amtierende Präsidenten vor der Wahl oft noch zu expansiven „Wahlgeschenken“ hinreißen, was die Inflation nochmals anheizen könnte. Wir rechnen bis zum Jahresende mit einem Preisniveau von 2.250 Dollar je Feinunze Gold.
Wie nachhaltig ist das Interesse an Kryptowährungen Ihrer Meinung nach?
Derzeit sieht es stark danach aus, als würden die Spot-Bitcoin-ETFs schon bald die Gold-ETFs überholen können, obwohl es letztere bereits seit über 20 Jahren gibt, während die Bitcoin-Fonds in den USA erst seit knapp zwei Monaten handelbar sind. Hintergrund der hohen Nachfrage ist ein beständig stabiler werdender rechtlicher Rahmen der Marktaufsichten, welche immer mehr institutionelle Investoren und Banken in den Kryptomarkt investieren lässt.
Welche Tipps würden Sie Anlegern geben, die in Gold oder Bitcoin investieren möchten, insbesondere in Bezug auf Diversifikation und Risikomanagement?
Gold als stabilisierende Beimischung gehört in jedes Anlageportfolio, denn ein gewisser Goldanteil verringert das Risiko, große Verluste zu erleiden. Wir empfehlen, einen Anteil von zumindest fünf bis maximal 20 Prozent des Vermögens in Gold zu investieren. Zur langfristigen Vermögensabsicherung empfehlen wir dabei klar, physisches Gold in Form von Münzen und Barren zu kaufen, da dieses das höchste Level an Sicherheit bietet. Um auch schwankende Goldpreise auszugleichen, empfiehlt sich der kontinuierliche Kauf von Gold in regelmäßigen Abständen.
Die besonderen Eigenschaften, die Bitcoin grundsätzlich von anderen Anlageklassen unterscheidet, erhöhen insgesamt die Diversifikation in einem Portfolio. Da das Timing, anders als bei Gold, eine sehr wichtige Rolle einnimmt, bedarf es einer sehr intensiven Marktbeobachtung. Die extrem hohe Volatilität erfordert ein sehr engmaschiges Risikomanagement. Uns erscheint ein Beimischungsgrad von maximal drei Prozent als akzeptabel. Am einfachsten und günstigsten lassen sich Bitcoins über eine Kryptobörse kaufen.