14. Juni 2024 - R&B Roland Rupprechter, CEFA
Marktausblick Aktien
Kurzeinschätzung
Auf der Habenseite verbuchen wir ein sich beruhigendes Inflationsbild, überwiegend solide Unternehmensbilanzen und eine wachsende reale Kaufkraft in weiten Teilen der Industrienationen. Zudem sieht es so aus, dass die Wirtschaft sowohl in Europa als auch in den USA um eine Rezession herumkommt. Derzeit reflektieren die Kapitalmärkte eine weiche Landung. Die jüngsten Einzelhandelsumsätze bestätigen sehr eindrucksvoll die Stärke des US-Konsums. Überraschend stark entwickelte sich auch der durchschnittliche Stellenzuwachs. Die letzten drei Monate betrug er 249.000 – deutlich über dem Durchschnitt vor der Pandemie, und deutlich über der Marke von 200.000. Weiters sind die Bewertungen der Aktienmärkte nach gängigen Maßstäben nicht exzessiv – etwa im Vergleich zur Jahrtausendwende.
Die Sollseite weist einige nicht zu unterschätzende Positionen auf. Erstens, die divergierenden Wachstumsaussichten: Europa erholt sich von einem niedrigen Niveau kommend langsam, wohingegen den USA womöglich die schwächsten Monate noch bevorstehen. China wiederum scheint nach wie vor von staatlichen Stützungsmaßnahmen abhängig zu sein, um sein Wachstumsziel von fünf Prozent zu erreichen. Zweitens, die unvermindert hohen geopolitischen Risiken – der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China. Drittens, die Unsicherheit, welche von der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl ausgeht.
Nachgebende Inflation
Der Trend bei den Inflationsraten dürfte in den USA und in Europa weiter nach unten zeigen, dafür sollte die nach wie vor restriktive Geldpolitik der Notenbanken sorgen. In der Eurozone gingen die Inflationsraten hauptsächlich wegen gefallener Energiepreise zurück. In Japan dürfte sich die Inflationsrate ebenfalls abschwächen, aber auch im kommenden Jahr deutlich über der Ein-Prozent-Marke bleiben.
Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen – wie erwartet – auf ihrer Sitzung im Juni um 0,25 Prozentpunkte gesenkt und damit vor der US-Notenbank Fed die Zinssenkungsrunde eingeläutet. In den USA könnte die Fed im September 2024 mit der ersten Zinssenkung beginnen, sofern die Daten zu Inflation, Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum das hergeben. Zuletzt ging die US-Inflation leicht zurück: 3,3 Prozent Teuerung im Jahresvergleich meldet das US-Bureau of Labor Statistics – Ökonomen hatten für Mai 3,4 Prozent erwartet. Die aussagekräftige Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel ist im Mai ebenfalls gesunken – um 0,2 auf 3,4 Prozent Teuerung im 12-Monats-Vergleich.
Positive Berichtssaison
Die Berichtssaison in den USA war positiv, doch bleibt es ein Markt der zwei Geschwindigkeiten, da die großen technologienahen Unternehmen die größten Gewinnsprünge zeigten. Dies hatte Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Technologieaktien waren der große Performancetreiber und es gibt gute Gründe, warum das auch in Zukunft so bleiben könnte.
Das Gewinnwachstum bei Technologieaktien, gemessen am MSCI World Information Technology Index, wird unserer Prognose nach 2025 bei mehr als 20 Prozent liegen und damit vermutlich deutlich höher ausfallen als am Gesamtmarkt. Zudem zeichnet sich ab, dass das Thema Künstliche Intelligenz in Zukunft deutlich mehr Unternehmen Schubkraft verleihen wird. Bisher wurde die Wertentwicklung und das Gewinnwachstum von einigen wenigen Unternehmen getrieben. Ab der zweiten Jahreshälfte erwarten wir positive Gewinnrevisionen in der Breite. Wir sehen, dass immer mehr Technologieunternehmen von steigenden Investitionen in Künstliche Intelligenz profitieren. Dazu kommt eine Erholung in den zyklischen Bereichen des Technologiesektors, beispielsweise bei Personal Computern, Speicherchips oder analogen Halbleitern.
Künstliche Intelligenz als wichtiger Wirtschaftstreiber
KI bleibt das dominierende Thema, daran wird sich so schnell nichts ändern. Sie ist eine Querschnittstechnologie, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig verändern wird, ähnlich wie es die Druckerpresse oder die Dampfmaschine getan haben. Unternehmen stoßen derzeit zahlreiche Projekte an, um durch KI ihre Produkte zu verbessern oder Prozesse effizienter zu gestalten.
Momentan befinden sich viele dieser Anwendungen noch in einer Pilotphase. In den kommenden Quartalen werden wir aber voraussichtlich immer mehr Umsetzungen in die Praxis sehen. Wir stehen erst am Anfang eines mehrjährigen Investitionszyklus in KI-Infrastruktur. Die Investitionen der großen Tech-Konzerne in KI-Infrastruktur sind ein positiver Treiber für eine ganze Reihe von Unternehmen.
Die wichtigsten Komponenten für derartige „KI-Fabriken“ sind Halbleiter und Netzwerktechnologie, die es ermöglichen, KI-Modelle mit immer mehr Daten in immer kürzerer Zeit zu trainieren. Da angesichts der starken Nachfrage nach solchen Chips die Fertigungskapazitäten zu knapp sind, profitiert die komplette Wertschöpfungskette – bis hin zu den Produzenten von Maschinen, die für die Halbleiterfertigung benötigt werden. All diese Punkte führen dazu, dass das Chance-Risiko-Verhältnis von Technologieaktien nach wie vor attraktiv ist.
Unsere Favoriten
Wir halten neben dem Technologiesektor die Region USA übergewichtet. Dies obwohl die Konzentrationsrisiken höher sind als sonst. Die „Top 10“ des US-Aktienmarktes bringen zusammen mehr Gewicht auf die Waage als die vereinigten Aktienmärkte Japans, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens. Die Vergleiche mit der relativen Größe der zugrundeliegenden Volkswirtschaften führen allerdings regelmäßig in die Irre: Aktivitäten und Erlöse gerade der Mega-Caps sind als Folge der Globalisierung weltweit verteilt. Anders gesagt: Ohne Globalisierung wären die Mega-Caps wahrscheinlich keine. Dennoch darf man beunruhigt sein – der Anteil der Top 10 macht etwa ein Drittel des S&P 500 aus – ein zuletzt in den 70ern gesehener Rekord. Vergleiche mit der Dot-Com-Zeit verbieten sich – die heutigen „Glorreichen Sieben“ sind schließlich überwiegend reife Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen und mindestens soliden Gewinnaussichten, die große Teile ihre freien Mittel in Forschung und Entwicklung stecken.
In Europa haben wir Deutschland übergewichtet. Die Wachstumszahlen für die deutsche Wirtschaft wurden zuletzt etwas nach oben korrigiert. Ein leicht positives Bild zeichneten auch die neuesten ifo-Zahlen zu den Geschäftsaussichten, die das dritte Mal in Folge gestiegen sind. Der Dax handelt nach wie vor mit einem überdurchschnittlich hohen Bewertungsabschlag im Vergleich zum US-Index S&P 500. Wir sehen Chancen, dass sich dieser Abschlag in absehbarer Zeit reduzieren könnte.
Aktien aus Schwellenländern haben im laufenden Jahr die rote Laterne, was die Wertentwicklung betrifft. Der MSCI Emerging Markets liegt nur leicht im Plus. Wahlen und relativ unerfahrene Regierungen sind in einzelnen Ländern ein Risikofaktor. Auch wenn wir in Asien einige Märkte interessant finden, sind wir für Schwellenländer nur neutral gestimmt.
Da wir auf mittlere Sicht weiterhin positiv für Aktien sind, empfehlen wir an schwachen Tagen die Aufstockung bestehender Positionen.
In eigener Sache: Überdurchschnittlich gut entwickelten sich unsere beiden R&B Aktienfonds. Dies wurde auch extern bestätigt. Das weltweit meistbeachtete Fondsrating "Lipper Leaders Rating" vergab im Mai 2024 für den R&B Aktien Global Aktiv Fonds gleich in allen drei Performance-Kategorien "Total Return", "Consistent Return" und "Preservation" das Höchstrating im Zeitraum seit Fondsauflage aus. Damit zählt unser global investierender Aktienfonds zur Spitze der besten Aktienfonds in Österreich und Deutschland.