19. November 2024 - R&B Roland Rupprechter, CEFA
Trump Trade?
Börsen nach der US-Wahl im Aufwind
Die Wiederwahl von Donald Trump zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Zusammenbruch der deutschen Ampel-Koalition und der zweite Zinsschritt der US-Notenbank prägten zuletzt das Geschehen. Der Sieg Trumps und die erwartete vollständige Kontrolle des Kongresses öffnen die Tür für Steuersenkungen, Deregulierung und eine striktere Handelspolitik. In einer Zeit, in der es in der US-Wirtschaft keine Kapazitätsreserven mehr gibt, würden die Auswirkungen einer solchen Politik die Inflation in den USA wieder in die Höhe treiben und das US-Wachstum in den nächsten Jahren wahrscheinlich etwas ankurbeln. An den Börsen wurde die kurzfristig schwindende Unsicherheit über die Stoßrichtung der künftigen US-Politik begrüßt. Die US-Aktien erreichten neue Allzeithochs und verzeichneten den größten Tagesgewinn nach einer Wahl seit einem Jahrhundert. Der amerikanische Leitindex S&P 500 stieg in der besten Woche seit Oktober 2022 um 4,7 Prozent.
Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen beendeten die Woche nach der US-Wahl bei etwa 4,3 Prozent, unweit ihrer Viermonatshochs. Erhöhte US-Haushaltsdefizite sind ein Faktor, der unserer Ansicht nach den Inflationsdruck untermauert und die Renditen langfristiger Staatsanleihen mit der Zeit in die Höhe treiben dürfte.
Auch wenn die künftige Ausrichtung der US-Politik nun absehbarer ist, bleiben mittelfristige Unsicherheiten. Anleger müssen weiterhin in einem ungewöhnlichen Umfeld navigieren, in dem völlig unterschiedliche Szenarien denkbar sind. So haben wir in den vergangenen Monaten an den Kapitalmärkten wiederholt plötzliche Richtungswechsel erlebt. Die Bandbreite reichte von der Begeisterung über die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) bis hin zu Rezessionsängsten. Das Fehlen eines makroökonomischen Ankers könnte erklären, warum es nicht viel braucht, um scharfe Schwankungen auszulösen. Die von den Zentralbanken betonte Datenabhängigkeit bietet beispielsweise keinen festen Bezugspunkt für die kurzfristige geldpolitische Entwicklung und macht die Märkte anfälliger für heftige Reaktionen auf einzelne Datenpunkte. Das ist beispielsweise an den ungewöhnlich starken Schwankungen bei 10-jährigen US-Staatsanleihenrenditen ablesbar. Erhöhte Volatilität wird also auch ein Begleiter für das kommende Jahr sein.
Wir favorisieren US-Aktien
Wir bleiben positiv gegenüber US-Aktien eingestellt und sehen trotz der scheinbar ambitionierten Bewertungen weiteres Potenzial. Der Kontrast zum schleppenden Wirtschaftswachstum und zur Aktienperformance in Europa bleibt augenfällig. Im Technologiesektor bleiben wir moderat übergewichtet und setzen weiterhin auf strukturelle Wachstumstrends wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder Cloud Computing. Zudem favorisieren wir derzeit Sektoren mit höherem Fremdkapitalbedarf, da diese von weiteren Zinssenkungen profitieren sollten. Hierzu gehören vor allem zyklische Unternehmen, die im Vergleich zu defensiven Titeln attraktiver bewertet werden. Zyklische Aktien haben zuletzt deutliche Korrekturen erlebt, insbesondere aufgrund schwächerer makroökonomischer Indikatoren und der schwachen Konjunktur in China. Nachdem China kürzlich einige Details seines ambitionierten Konjunkturpakets bekannt gegeben hat, sehen wir in diesen Sektoren Chancen für selektive Käufe, sollte eine sanfte Landung gelingen. Branchen wie die Bauwirtschaft und bestimmte Industrien könnten vor einer Erholung stehen. Besonders attraktiv sind auch Geschäftsmodelle, die neben einer wirtschaftlichen Erholung von strukturellen Trends wie Energieeffizienz und Infrastruktur profitieren.
Insgesamt sehen wir in den nächsten Jahren gute Chancen für die Aktienmärkte. Fallende Zinsen werden zu tieferen Finanzierungskosten und damit höheren Unternehmensgewinnen führen. Technologische Innovationen bleiben ein positiver Treiber. Donald Trump wird zudem viele fiskalpolitische Akzente setzen, welche die US-Wirtschaft stimulieren werden. Denn er misst seinen politischen Erfolg an der Wirtschaftsentwicklung. Wir empfehlen Aktienengagements in Schritten auszubauen. Einen ersten noch in diesem Jahr.
Attraktive Renditen von Staatsanleihen
In absoluten Zahlen sehen die Renditen von Staatsanleihen im Vergleich zum letzten Jahrzehnt attraktiv aus. Wir bevorzugen Anlagen mit kürzerer Duration, die sich besser halten dürften, wenn die Inflation nach oben überrascht. Bei Unternehmensanleihen bevorzugen wir Emittenten mit Investment-Grade-Rating sowie Asset Backed Securities, deren relative Bewertungen angesichts der Stärke der Verbraucher attraktiv sind.