21. September 2026 – Roland Rupprechter, MBA (WU Wien), CPM, CEFA
Globale Aktien mit Luft nach oben
Basisszenario: fortgesetzte Expansion
Die Weltwirtschaft hat den durch den Irankonflikt ausgelösten Energiepreisschock erstaunlich gut verkraftet. Unser Basisszenario ist eine fortgesetzte Expansion: Für 2026 rechnen wir mit 3,1 Prozent globalem Wachstum, für 2027 mit einer leichten Beschleunigung auf 3,4 Prozent. Die US-Wirtschaft dürfte um 2,2 bzw. 2,1 Prozent wachsen, die Eurozone von 0,9 auf 1,4 Prozent beschleunigen.
Gewinne auf breiter Basis
Die Gewinne der S&P-500-Unternehmen sind im zweiten Quartal um rund 50 Prozent gestiegen, 86 Prozent der Firmen übertrafen die Erwartungen, zehn von elf Sektoren wuchsen. Das ist der stärkste Anstieg seit dem zweiten Quartal 2021. Positiv bewerten wir, dass sich das Gewinnwachstum in den USA auf deutlich mehr Unternehmen verteilt und nicht mehr so stark auf die „Glorreichen Sieben“ beschränkt ist. Auch in Europa und Japan sind die Unternehmensgewinne zweistellig gestiegen. In Japan halfen neben KI- und Halbleiterinvestitionen vor allem eine bessere Unternehmensführung und Aktienrückkäufe. Europa profitierte besonders vom starken Energiesektor.
Zinsen als Prüfstein
Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins am 16. September erstmals seit 2023 angehoben, und zwar um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Mehrheit der Notenbanker erwartet noch in diesem Jahr eine weitere Anhebung. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat die Fünf-Prozent-Marke erreicht.
Für eine anhaltend positive Börsenstimmung müssen aus unserer Sicht mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Die Straße von Hormus muss zumindest teilweise offen bleiben, die Industrieländer müssen nahe am Potenzial wachsen, und eine Rezession muss vermieden werden. Zudem kommt dem Zinsniveau eine wichtige Rolle zu. Wir gehen davon aus, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei tiefen fünf Prozent bleiben wird. Andernfalls könnte der Stressfaktor an den Aktienmärkten steigen.
USA: Gewinne stützen
Die weiter steigenden Unternehmensgewinne dürften US-Aktien stützen — nicht nur bei den KI-Unternehmen, sondern in allen Sektoren.
Dax mit Potenzial
Für den Dax halten wir eine Gesamtrendite von rund zehn Prozent auf Sicht von zwölf Monaten für realistisch, auch wenn der Bewertungsabschlag zu US-Titeln geschrumpft ist — vor allem, weil Auto- und Chemiewerte heute weit weniger Gewicht haben als früher. Rückenwind geben das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro und die freigegebenen Rüstungsausgaben — der größte Investitionsimpuls seit der Wiedervereinigung, laut EZB ein halber Prozentpunkt Wachstum bis 2028.
Japan mit den besten Aussichten
Die Aussichten für Japan schätzen wir noch etwas besser ein als jene für Europa und die USA. Sowohl die binnenwirtschaftliche als auch die exportseitige Gewinndynamik dürften robust bleiben. Darüber hinaus entwickeln sich Unternehmensführung und Aktienrückkäufe weiterhin positiv.
Global anlegen
Unsere Grundempfehlung bleibt ein globales Portfolio mit Schwerpunkt USA — ergänzt um leichte Übergewichte in Europa und Japan, wo Bewertung und Gewinndynamik derzeit am besten zusammenpassen.
Unser Fazit: Wer auf eine Rezession gewettet hat, wurde enttäuscht — die Weltwirtschaft wächst weiter, und die Gewinne folgen. Solange die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nicht deutlich über fünf Prozent steigt und die Straße von Hormus zumindest teilweise offen bleibt, sehen wir an den globalen Aktienmärkten weiterhin Luft nach oben.
Daten & Fakten
Wachstum (R&B-Prognose 2026/2027): Welt 3,1 %/3,4 %, USA 2,2 %/2,1 %, Euroraum 0,9 %/1,4 %.
Gewinne S&P 500, 2. Quartal: +50 %, 86 % der Firmen über den Erwartungen, zehn von elf Sektoren im Plus.
Zinsen: Fed 3,75–4,00 % (Anhebung am 16. September 2026), US-Zehnjahresrendite rund 5,0 %.
Prognose R&B: Dax rund 10 % Gesamtrendite auf zwölf Monate; Japan mit den besten Aussichten.
Quellen: R&B Wealth Management (Prognosen), FactSet (Gewinne S&P 500, 2. Quartal), Federal Reserve, EZB; Marktdaten Stand 16. September 2026.
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