1. Oktober 2026 – Roland Rupprechter, MBA (WU Wien), CPM, CEFA

Euribor-Swapkurve seit dem Iran-Krieg: höher, flacher – und was das für Europa bedeutet

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Euribor-Swapkurve um bis zu 1,4 Prozentpunkte gestiegen und zwischen zwei und zehn Jahren nahezu flach. Was das für Europas Wirtschaft, Aktien und Anleihen bedeutet.
Euribor-Swapkurve seit dem Iran-Krieg

Ausgangslage


Am 27. Februar 2026, am Vortag der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, lag der Dreimonats-Euribor bei 2,02 Prozent, der Einlagesatz der EZB bei 2,00 Prozent, und der Geldmarkt hielt eine Zinssenkung für wahrscheinlicher als eine Erhöhung. Die Swapkurve stieg flach bis auf 2,9 Prozent bei 20 bis 25 Jahren an und fiel bis 50 Jahre auf 2,7 Prozent zurück. Brent kostete 73 Dollar.


Was seither geschah


Mit der Sperre der Straße von Hormus sprang Brent im März über 100 Dollar; die Waffenruhe vom April hielt nicht, seit der Eskalation Anfang September notiert das Fass bei rund 107 Dollar. Die Inflation im Euroraum stieg im August auf 3,2 Prozent (Energie plus 14,3 Prozent), die Kernrate auf 2,4 Prozent. Die EZB hob den Einlagesatz im Juni und im September auf 2,50 Prozent an, die ersten Erhöhungen seit 2023, und erwartet für 2026 eine Teuerung von 3,0 Prozent bei 0,9 Prozent Wachstum.


Die Kurve heute


Die gesamte Kurve liegt deutlich höher, umso stärker, je kürzer die Laufzeit: drei Monate plus 60 Basispunkte auf 2,62 Prozent, zwei Jahre plus fast 140 auf 3,54 Prozent, zehn Jahre plus rund 100 auf 3,68 Prozent, dreißig Jahre plus gut 60 auf 3,55 Prozent. Der Sechsmonats-Euribor liegt mit 3,10 Prozent einen halben Prozentpunkt über dem Dreimonatssatz: Der Geldmarkt preist drei bis vier weitere EZB-Schritte. Zwischen zwei und zehn Jahren ist die Kurve mit 14 Basispunkten nahezu flach (Ende Februar: gut 50), ihr Hochpunkt liegt bei 15 Jahren (3,75 Prozent), danach fällt sie ab.


30/360 Euribor-Swapkurve (gegen 6M-Euribor): Ausgangslage 27.02.2026 und heute 30.09.2026

Abbildung: 30/360 Euribor-Swapkurve (gegen 6M-Euribor), Ausgangslage 27.02.2026 (Beginn Iran-Krieg) und 30.09.2026. Quelle: Eigene Darstellung.


Was das für Europas Wirtschaft und Aktienmärkte bedeutet


Der Energieschock wirkt auf den Euroraum als Nettoimporteur wie eine zusätzliche Steuer, der Zinsanstieg verteuert Hypotheken, Unternehmenskredite und die Staatsfinanzierung. Bisher hält die Konjunktur stand: Nach einem stagnierenden ersten Quartal wuchs die Wirtschaft im zweiten um 0,6 Prozent, getragen von Spanien und von Deutschland, wo die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben anlaufen. Die Inflation drückt jedoch die Realeinkommen, und mit jedem weiteren EZB-Schritt wird die Prognose von 1,4 Prozent Wachstum für 2027 anspruchsvoller. Der Stoxx Europe 600 erreichte Anfang August ein Rekordhoch, verlor im September aber 2,5 Prozent, den ersten Monatsverlust seit einem halben Jahr. Unter Druck stehen zinssensitive Immobilien- und Versorgerwerte sowie hoch bewertete Wachstumstitel; Banken verdienen an den höheren Zinsen, Energie- und Rüstungswerte am Konflikt, Exporteure am schwächeren Euro. Europa bleibt gegenüber den USA günstiger bewertet.


Unsere Einschätzung


An unserer im September begründeten Übergewichtung europäischer Aktien halten wir fest; das Kursziel von 690 Punkten für den Stoxx Europe 600 per September 2027 gilt, solange Hormus zumindest teilweise offen bleibt und eine Rezession ausbleibt. Da unsere dritte Voraussetzung, eine US-Zehnjahresrendite unter 5 Prozent, derzeit nicht erfüllt ist, rechnen wir mit höheren Schwankungen und bevorzugen Banken, Versicherer und Industriewerte mit Fiskalbezug gegenüber Immobilien und Versorgern. Für Anleger im Euroraum sind Euro-Anlagen mit Zinsbindungen von zwei bis fünf Jahren bei Swapsätzen um 3,6 Prozent erstmals seit 2023 wieder attraktiv; am langen Ende raten wir angesichts der inversen Kurve zur Zurückhaltung.


Daten & Fakten


Euribor-Swapsätze (gegen 6M-Euribor), 27.02. → 30.09.2026: 2 Jahre 2,16 % → 3,54 %, 10 Jahre 2,69 % → 3,68 %, 30 Jahre 2,92 % → 3,55 %.

Geldmarkt: 3M-Euribor 2,02 % → 2,62 %, 6M-Euribor 3,10 % (29.09.2026).

EZB und Inflation: Einlagesatz 2,00 % → 2,50 % (Anhebungen im Juni und September 2026); Inflation Euroraum im August 3,2 %, Kernrate 2,4 %.

Öl: Brent 73 → rund 107 Dollar je Fass.

Prognose R&B: Stoxx Europe 600 bei 690 Punkten per September 2027; Übergewichtung europäischer Aktien.

Quellen: R&B Wealth Management (Prognose, eigene Darstellung), EMMI (Euribor-Fixings), BlueGamma (Swapsätze 30.09.2026; Swapsätze 27.02.2026 ab einem Jahr Laufzeit: eigene Schätzung), EZB, Eurostat; Marktdaten Stand 30. September 2026.



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